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Fluchtperspektive: Brief in die Auberginenrepublik von Abbas Khider

Brief in die Auberginenrepublik

Was in Deutschland alltäglich ist, kann in anderen Ländern ein großes Wagnis sein. Der Beginn dieser Erzählung ist der Versand eines Briefes: „Auf der dunklen Seite der Erde beginnt die Geschichte eines Briefes, die ich euch erzählen will…“ (S. 8). Abbas Khiders „Brief in die Auberginenrepublik“ (2013) begleitet das Schriftstück auf seinem Weg. Der Absender: Salim, ein ehemaliger Student, der im Irak für den Besitz verbotener Bücher verhaftet wurde und deshalb auf der Flucht ist. Er schlägt sich in Libyen als Bauarbeiter durch – weit weg von seiner Familie, von seinen Freunden und von Samia, seiner Liebe.

Die Geschichte findet 1999 statt – die Zeit, in der Saddam Hussein im Irak herrscht, Gaddafi in Libyen, Mubarak in Ägypten, Hafiz al-Assad in Syrien und Abdullah II bin Hussein in Jordanien. Durch das nach dem Golfkrieg verhängte Handelsembargo lebt die irakische Bevölkerung im Elend – alles, was es im Überfluss gibt, sind Auberginen und Unruhe. Eine Zeit der Zensur, eine Zeit in der – wie noch heute – in vielen Ländern weder gelesen noch geschrieben werden darf, was die Regierung verbietet oder als gefährlich ansieht.

Als Salim im Exil von der Möglichkeit erfährt, Samia eine Nachricht über ein illegales Netzwerk von Briefboten zu senden, wagt er es, die Botschaft abzuschicken… . Der Leser folgt dem Brief durch Libyen, über Ländergrenzen bis in den Irak. Dadurch ist es, als ob er selbst durch Kofferräume von Taxifahrern und getarnte Reisebüros geschleust wird, jeden Moment kurz davor, vom Falschen entdeckt zu werden. Abbas Khider findet so einen neuen Weg des Spannungsbogenaufbaus. Auch die wechselnden Erzählperspektiven machen den Roman zu etwas Besonderem: Es sind Bauarbeiter und Lastwagenfahrer, die diese Geschichte erzählen. Ein Roman, der durch Insider-Einblicke in die Tiefen von Saddam City und Gaddafi City führt. Eine Erzählung von Korruption und Freiheit, vom Gefangensein und von Wegen, die gebahnt werden, um Grenzen zu durchbrechen.

Der Autor wurde 1973 in Bagdad geboren. Nachdem er nach einer Verurteilung aus „politischen Gründen“ zwei Jahre im irakischen Gefängnis zubringen musste, floh er 1996 aus dem Irak. Als illegaler Flüchtling hielt er sich in verschiedenen Ländern auf, bis er 2000 nach Deutschland kam. Abbas Khider studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in München und Potsdam. Er hat bereits mehrere Romane sowie Lyrik veröffentlicht. Zurzeit lebt er in Berlin.

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