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Der Klang der Luftgitarre

Am Anfang der Straße, gleich vor dem großen Buchsbaumkübel und mitten zwischen all den hell erleuchteten Geschäften: Zwei blonde Jungs, ein Gitarrentakt, fünf lächelnde Menschen, die lauschend stehengeblieben sind. Meine Schritte sind kaum noch hörbar auf den Steinen der Fußgängerzone. Es rasselt, kein Entziehen des Taktes.

Etwas weiter unten: Ein Mann, die Haare schon grau. Auch hier bebende Saiten, die Musik hüpft zwischen den Wänden der Läden, drei Menschen wippen im Takt.

Nur kurz dahinter: Einsamkeit und Freude an exakt dem gleichen Ort. Der Schalk lugt unter seiner schief sitzenden Wollmütze hervor. Die Luftgitarre hat er fest im Griff, auch wenn er leicht taumelt. Vor dem kleinen Mann mit großer Lebensfreude steht ein leerer Pappbecher neben der Straßenlaterne, seiner Bühnenbeleuchtung. Er trägt seine abgenutzte Kleidung auf der dunklen Haut und seine bunte Seele singt. Das Lied, das er die Straße hinaufgrölt, setzt er denen der anderen mit mutig abgehackten Tönen entgegen.

Ich verstehe seine Sprache nicht und seine Gitarre aus Luft bleibt stumm. Dafür ist Platz für meine Gedanken, für ein Wir und für ein ansteckendes Strahlen, das wir kurz teilen und das wunderschön die ganze Straße entlang tönt, wenn man aufmerksam genug lauscht. Niemand sonst bleibt mit gespitzten Ohren stehen. Drei Menschen schütteln genervt den Kopf über den Luftgitarrenkünstler unter der Laterne, während sie vorübergehen. Mein Lächeln gehört ihm. Es kriecht zusammen mit 5 Euro in seinen Bechern.

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